KOCHEN MIT DEN GÖTTERN

Als Foodscout unterwegs für die Ölmühle Solling auf Bali

EINDRÜCKE AUS BALI

Es ist die schönste Zeit des Tages, die blaue Stunde, und die Insel schickt sich an, ihrer ohnehin schon gewaltigen Präsenz noch mehr energetischen Ausdruck zu verleihen, indem sie sich und die gesamte Szenerie in eine wahrlich magisches Licht taucht. Die magische Insel, die Insel der Götter – die Erwartungshaltung wäre groß, hatte ich mich den Verheißungen hingegeben. Und gerade weil ich es nicht getan habe, waren die Erlebnisse umso intensiver.

Der Strom der Menschen bricht nicht ab und hält bis tief in die Nacht an. Jede Gemeinde aus der näheren Umgebung des Tempels reist an diesem Tag an, um ihre eigene Choreografie und Opfergabe dem Purnama, dem Vollmond, den Tag der Fülle, der Überfülle zu widmen. Und es gibt viele Dörfer und Gemeinden in der Umgebung.

Prozessionsbeginn-am-Vollmondtag

Am Purnama steigen die Götter zur Erde hinab und segnen die Menschen. Und so wird diesen entsprechend opulent gehuldigt. Mit Opfergaben und mit Musik, dem Gamelan. Das Gamelan, jene orchestrale Zusammenkunft, welche westlichen Ohren zunächst tiefe Gräben in die Stirn treibt, ist allgegenwärtig. Die Klänge sind durchdringend und haben bald Alle in einen meditativen Zustand versetzt. Und dennoch gelingt es dieser Kakophonie ein Band zu formen, das alle Beteiligten eint.

Einmal im Tempelinneren angekommen, erhalten wir unsere Weihe und lassen uns mit dem Strom der Menschen wieder nach draußen geleiten. Der Menschenwurm hat nur ein Ziel: das Gelände auf der gegenüberliegenden Seite des Tempel, welches außerhalb der Zeremoniezeiten als Schotterplatz nur von den vielen Straßenhunden genutzt wird, und heute Abend Platz für eine Mischung aus Jahrmarkt, Flohmarkt, Streetfood-Festival und offener Spielothek bietet. Die auditive Kakophonie findet hier ihr visuelles und olfaktorisches Pendant: quietsch-rosafarbene, giftgrüne und hellblaue Farbspritzer wohin das Auge reicht. Ob in „Hallo-Kitty-Luftballons“, stärkehaltigen bunt gefärbten Reiskuchen oder den vielen Videoscreens, die an allen möglichen und unmöglichen Ecken stehen, hängen (oder fahren). Das sollte mir ein Vorgeschmack sein auf die kulinarische Erfahrung, welche ich auf dieser Insel machen sollte. Ich fühlte mich wie in einem riesigen Wackelpeter durch die Szenerie streifen. Ein Mann bietet mir eine Tüte gekochter Wachteleier an, die balinesischen Peanuts. Ich bedanke mich, pule sie elend lange, sie schmecken tatsächlich sehr nussig und schlendere vorbei an und durch die vielen Essensständen, um mich entschlossen in eine Menschenmenge zu stellen, die es kaum erwarten kann, bei der alten Frau ihr Essen serviert zu bekommen.

 

Das Licht flackert, der einzige Stromgenerator der Veranstaltung kommt an seine Grenzen und immer wieder wird es stockduster. Die Gasbrenner trotzen den unfreiwilligen Pausen und köcheln, garen, braten und grillen beständig weiter. Wir stehen in der Schlange, werden aber nicht ernsthaft beachtet. Trotz interessierten Nachfragen im gebrochenen Balinesisch und verzweifelten Fuchtelbewegungen, meinen Hunger, Wunsch und Verlangen andeutend, Alles vor mir präparierte zu verkosten. Viele der Umherstehenden konnten sich nicht ausmalen, dass wir Langnasen ernsthaft von ihrem Essen probieren wollten. Es war doch so, dass stets Männer hinzugezogen wurden, Kochen ist fast ausschließlich Frauensache, wie so Vieles in der Kultur der Balineseni, um zu verstehen, dass wir gewillt waren das Zubereitet zu etwas essen. Wir kamen mit eine freundlichen Gruppe jüngerer Balinesen ins Gespräch, welche uns freundlicherweise mit der Bestellung „Alles auf die Hand, zum Testen bitte. Kein Fisch und Fleisch bitte!“ aushalfen. Und wir wurden nicht enttäuscht: der Reis, das wichtigste Nahrungsmittel der Insel (dazu später mehr), geschmacklich selbst ohne ein einziges Gewürz und Sößchen soweit von dem entfernt, was ich bislang gegessen habe: nussig gereifte Milde, frischer Biss, also f-r-i-s-c-h-e-r Biss, wie ein Versuch in eine Frühlingsbrise beißen.

 

FOOD, FUN & GODS

Obgleich, die Reistäler Balis, die erst vor 2 Jahren zum Weltkulturerbe der Menschheit erkoren wurden – um ein wenig die Bedeutungsschwere diese langen Tradition angemessen zu würdigen – sind sie nicht mehr und nicht weniger die Himmelstreppen der balinesischen Götter. Und einen zwei Wahrheiten in sich. Der tägliche Verbrauch einer balinesischen Durchschnittsfamilie (ca. 11 Personen, die in Generationen-Hausanlagen zusammenleben) liegt bei ca. 6,5kg/Tag. Neben dem steigenden Bedarf durch steigende Tourismuszahlen und dem Verbrauch für religiöse Zeremonien, welche alleine schon knapp 1/3! der gesamten Produktion einnehmen, muss hier viel Wasser die Reisfelder runtergespült werden, sodass die hungrige Nachfrage bedient werden kann. Oder auch Chemie. Unser Guide, erklärte uns mit nicht wenig stolze geschwellter Brust, dass man mit etwas chemischer Düngung, die Reisernte von 1-2 Mal im Jahr beim biologischen Anbau, bis auf 3-4 Mal im Jahr steigern könne und dies auch gerne tue. Glücklicherweise wird immerhin gentechnisch verändertem Reis die rote Karte gezeigt. Das ist die eine Wahrheit. die überlebenswichtigere, die erkenntnisreiche, die allumfassende, birgt aber jedes einzelne Reiskorn in sich:

„Wenn du den Himmel, die Erde und alle Lebewesen verstehen möchtest, dann beginne mit einem Reiskorn. Chao-Hsiu Chen“

So kommt es, dass praktisch kaum bis gar kein Reis die Insel verlässt und das ist wahrscheinlich auch gut so, denn schnell wäre im nicht nachhaltigen Zyklus der immer nach Neuem lechzenden Lebensmittelindustrie, der Preis völlig korrumpiert und die Qualität am Boden, bis er bei uns im Regal des Discounters zu finden wäre. Im reichen Westen dagegen hält sich die Wertschätzung in Grenzen. Aber ich schweife ab 🙂

Ich möchte euch was über die Menschen und ihr täglich Brot erzählen. Letzteres ist so gut wie nicht zu finden, den der Reis ist das Brot der Asiaten. Der Reis verdient an dieser Stelle ein Denkmal: einen ganzen Kontinent nährt das unscheinbare Korn im geistigen wie körperlichem Sinne. Und so ist findet sich auf der Speisekarte der Insel kaum ein Hauptgericht ohne Reis. Aber die Vielfalt des Gemüses und Obstes, und nicht zuletzt die beliebten Hülsenfrüchte erlauben eine Abwechslung auf der Karte, wie sie sich hierzulande jeder Veganer und Rohköstler nur in seinen Träumen auszumalen vermag. Die Yogaszene und das Interesse an gesunder Ernährung im Allgemeinen mit und durch die blühende Tourismusindustrie tuen ihr übriges. Für mich war die Reise nicht nur in kulinarischer Hinsicht eine Traum. Die Auswahl an nahezu unbegrenzt vegetarisch-veganem Essen ist unglaublich bis abenteuerlich. Viele Gerichte sind bereits von Natur aus vegan und/oder vegetarisch, aber der Mix der Einflüsse der unterschiedlichen Kulturen ist es, der meinen Gaumen erfreulich strapaziert und viele Überraschungen aufgetischt hat.

Obgleich ich wirklich nahezu für jeden Warung (Ein Warung: (indonesisch ‚Lädelchen‘) ist ein kleiner Straßen-Verkaufsstand für Nahrungsmittel auf Rädern. Er ist mit einer kleinen Kochstelle und einer Verkaufstheke ausgestattet. In urbaneren Gebiete, findet man auch Warungs mit festem Gebäude, aber immer noch winzig genug 🙂 ), Bistro oder Restaurant in Ubud eine Empfehlung aussprechen könnte, möchte ich denoch 3 besonders hervorheben:

Die Yogabarn

An dieser Institution kommt man nur vorbei, wenn man sie bewusst ignorieren möchte. Mir aber auch nach langen Überlegungen kein vernünftiger Grund ein, diese zu tun. Beliebt bei allen Yogis sowie Rohköstlern und Veganern gleichermassen. Täglich das frischeste aus dem Urwald in ayurvedischer Tradition, in Rohkostqualität oder einfach nur vegan. Die frischgepressten Säfte und Fruchtcocktails machen süchtig: vor und nach der Yogamatte 🙂

http://www.theyogabarn.com/

und ihr dazugehöriger Kaffeebetrieb

Die Yogabarn hat nur bis 19Uhr geöffnet und wer das Essen auch abends nicht missen möchte, verlagert seine Abendaktivitäten hierher.

http://www.balispirit.com/kafe/

Melting Wok

Geraldine aus Frankreich und ihr Ehemann aus Laos servieren hier täglich eine wunderbare Crossover-Küche mit balinesischem Touch

http://www.tripadvisor.de/Restaurant_Review-g297701-d2364236-Reviews-Melting_Wok_Warung-Ubud_Bali

Swasti Eco Cottages & Restaurant

Womöglich das nachhaltigste Unternehmen auf ganz Bali. Wir hatten Zugang zum eigenen Garten, in welchem alles für das Restaurant in Bioqualität angebaut wurde. Ressourcenschonender Umgang in allen Belangen, Verzicht auf Plastik, Mülltrennung schon im Gästezimmer, Wasseraufbereitung, erneuerbare Energien etc. Und eine vorzügliche Küche in vegetarisch-veganer Qualität.

http://www.baliswasti.com/en/organic-restaurant/the-restaurant

KOCHKURS UND GEWÜRZE – NOT SAME, SAME

Vor unserem Besuch auf den Reisfeldern, holte uns Puspas Ehemann, vom Hotel ab und brachte uns direkt zum Markt. Ich hatte Vorstellungen nachdem ich einige Tage bereits die Straßenküchen und -stände erschmeckt habe, aber ich hatte ja keine Ahnung. Für Hygiene- und Frischluft-Anhänger war es olfaktorisch eine aussergewöhnliche Herausforderung. Der Markt findet täglich 2 x statt, genauer betrachtet den ganzen Tag, denn tagsüber werden nur die Gelüste der Touristen bedient, bietet die gesamte Palette an lokalen wie saisonalen Lebensmitteln ab. Die meisten Produkte sind frisch und werden deshalb auch zweimal am Tag zum Markt gebracht. Zu meiner ersten flüchtigen Enttäuschung konnte ich nicht durch Gewürz- und Kräuterstraßen auf meinen Nasenflügeln gleiten, wie ich sie mir von den Märkten Marrakesh´ oder Indiens vorgestellt habe. Obgleich es die Kräuter und Gewürze gibt. Nur werden diese, zum Erschrecken der auf die Umwelt bedachten Besucher aus dem Westen, nahezu alle in Plastikfolie eingeschweißt angeboten. Die Anzahl der verwendeten Kräuter ist an zwei Händen abgezählt und bietet unzählige Variationsmöglichkeiten, welche die balinesische Küche auch gekonnt ausspielt. Das Gefühl, welches ich auch schon vereinzelt aus Deutschland kannte, alle Gerichte auf der Karte würden sich gleichen, nur die Zutaten seine in einer anderen Reihenfolge arrangiert, hat mich auch hier nicht losgelassen. Sollte aber erschmecken und- lernen, daß die gesamte Küche Balis auf der sogenannten gelben Sauce „Base Gede Bumbu Kuning“ beruht und in feinen Kombinationen mit weiteren Zutaten und deren unterschiedlichen Mengen beruht. Das beruhigte mich ein wenig ,-)

Der balinesische Kochalltag bringt das Verdauungsfeuer uns nicht unbekannten Zutaten zum lodern:schwarzer Langpfeffer, Muskatnuss, Zimt, verschiedene Ingwer, Galang, Zitronengras, Vanille, Erdnüsse, Senfsamen, Koriander, Kardamom, Sternanis, Kurkuma Macadamianüsse oder die Nüsse des Lichtnussbaums (Kemiri),   Kaffirlimettenblätter, Lorbeerblätter und Nelken. Vieles kennen wir aus unserer europäischen Küche und doch unterscheiden sich diese teilweise dramatisch:

Kardamom

In Europa sind wir weitestgehend den Geschmack des grünen Kardamom gewöhnt. Auf Bali wird jedoch hauptsächlich die schwarze Variante eingesetzt. Die Früchte sind größer und runder und unterscheiden sich geschmacklich enorm. Er schmeckt recht herb und erdig und erinnert ein wenig an Omas Latschenkieferöl 🙂

Pfeffer

Wie bei uns, kommt zwar der „normale“ schwarze Pfeffer am Küchenherd zum Einsatz, die besondere und feine Note, also in jedem Gericht, wird mit dem „Langen Pfeffer“ gesetzt: ähnlich scharf wie der schwarze Pfeffer, überrascht er durch seine vielschichtigen Noten. Persönlich konnte nur seine leichte fruchsüße Note erschmecken, andere wiederum haben einen nussigen Geschmack wahrgenommen.

Vanille

Mittlerweile ein vertrautes Produkt in unseren Regalen, doch der Anbau und die Pflege der Vanille gestaltet sich auf Bali wesentlich aufwendiger. Die natürlichen Vögel und Insekten für die Bestäubung der Vanille gibt es hier in Indonesien nicht, sodass die Blüten von Hand bestäubt werden.

Macadamianuss/Kemirinuss

Ja, es gibt die Macadamianuss, so wie wir sie aus der edlen Snack-Ecke kenne. Optisch ist sie manchmal jedoch nicht von der deutlich günstigeren Kemirinuss zu unterscheiden und wird den Touristen auch gerne dafür verkauft. Manch Unglückliche bekommt auch große Haselnüsse zu überteuertem Preis verkauft 🙂 Die Kemirinuss hat einen nussigen, schwach süßlichen Geschmack und wird gerne als natürlicher Geschmacksverstärker eingesetzt. Sie lässt sich gemahlen zum andicken und veredeln von Currygerichten und Saucen verwenden. Dummerweise ist die Nuss im rohen Zustand giftig und wird auf dem Markt nur roh verkauft. Gekocht oder geröstet, verliert sie ihre Giftigkeit. Das bescherte mir einige Magenschmerzen, als ich am Wegesrand nach einer Wanderung, mein Körper – ein wenig unterzuckert – nach Fett verlangte. Erfreulicherweise schmeckt die „rohe“ Nuss ausgesprochen ekelhaft, sodass ich wegen des äußerst bitteren Geschmacks davon abgehalten wurde, den ganzen Beutel binnen weniger Minuten zu verschlingen und die nächste Tage im Krankenhaus zu verbringen.

Muskatnuss:

Ich habe beim Besuch eines kleinen Warungs, mitten im Urwald gelegen, eine Einweisung von der Inhaberin Ula erhalten: In europäischen Küchen verfeinert am Ende des Reise nur die getrocknete Frucht der Nuss unserer Speisen. Bei Ula, wie im restlichen Bali, wird die ganze Frucht verwendet. Das sollte eine wunderbare Erfahrung werden.

THE REAL STREETFOOD

Ula führt diesen kleinen und sehr beliebten Warung mit ihrem ganzen Herzblut. Sie ist Inhaberin, Kellnerin und Koch in einem. Sie bestellt die riesigen Felder hinter ihrer Küche ganz alleine und schafft es dennoch jeden Gast so liebevoll zu umgarnen, als wäre man ein Teil der Familie – was man spätestens bei der Verabschiedung auch war. Wir erreichen ihren Warung an einem frühen Nachmittag und werden angelockt von ihrem bis zum Anschlag aufgedrehten Kassettenspieler, der unaufhörlich feinste balinesische Gamelantöne in den Urwald blechert. Nach unserem Essen, zeigt uns Ula ihren Garten und die Muskatnuss erregt meine Aufmerksamkeit und Ula hat besonders viel zu dieser Frucht zu erzählen. Sie hat mir gezeigt, wie die ganze Nuss verarbeitet wird. Zunächst spaltet Sie die Frucht und pult den Samen, den wir als Nuss kennen, samt Hülle heraus. Dir Frucht zerschneidet sie in einzelne Teile und hält mir einige zum Probieren in unter die Nase. Ich beiße beherzt zu und bin erstaunt. Es schmeckt für meine europäisch geprägten Geschmack nicht ungewöhnlich: herb-süßes und ähnlich der Quitte hart-faseriges Fruchtfleisch. Aber zu viel davon bereitet nicht mir, ähnlich der Kemirinuss, Magenschmerzen. Ula, überbrüht das Fruchtfleisch mit heißen Wasser und zaubert in Kürze einen zarte Tee, der in der schwülen Hitze angenehm kühlt. Alternativ presst man das Fruchtfleisch aus und kocht es zu einem Gelee ein. Der Samen der Frucht wird umhüllt von einem roten Mantel, der Muskatblüte, auch Macis genannt. Diese kann getrocknet oder gemahlen genauso wie die Nuss zum Würzen verwendet werden, fällt aber deutlich milder im Geschmack aus und ab. Die Fleischesser unter den Lesern werden dieses milde Gewürz schon in seiner Note aus den Geschmacksnoten einer original, bayerischen Weißwurst gegessen haben. Dann bleibt noch der Samen übrig, welchen wir gerieben verwenden um zu würzen. Man kann aber auch Öl aus diesen gewinnen und es zum Köchen oder für Magenbeschwerden reichen.   Die Obst und Gemüsewelt der Insel lässt auch Wochen später schwelgend sprachlos zurück. Puspas Ehemann führt uns hinab in die kühleren Gewölbe der Markthalle, wo sich alle Gerüche vereinen und wir alles probieren dürfen. Schaut selber, eine köstlicher als die andere … Nach dem Markteinkauf und dem Besuch der eigenen Reisfelder fahren wir direkt in das großzügige Haus von Puspa und Wayan, wo sich auch die große Küche für den gemeinsamen Kochnachmittag befindet. Wir bekommen einen wirklich erfrischenden Drink serviert und Wayan erläutert uns die traditionelle Aufteilung eines balinesischen Hauses sowie den Rechten und Pflichten innerhalb der Haus(tempel)gemeinschaft. So ist das Nawa Sanga das Konzept der kosmischen Ausrichtung und Manifestation des steten Verlangens nach Harmonie und Ordnung. Die Ausrichtung ist stets dem heiligen Berg Gunung Agung geschuldet und läßt die Meeres- und Sonnenachsen mit einfließen, was zu unterschieldichen Ausrichtungen im Norden und Süde der Insel führt. Die Ausrichtung ist den Balinesen sehr wichtig, denn sie gibt den Menschen auch Halt. Das führt im Alltag bei Touristen manchmal zur Verwirrung, wenn die Wegbeschreibungen von unserem Verständnis abweichen und man nach Norden geschickt um später beim Licht abzubiegen und zwei Blöcke weiter wieder in Richtung Norden zu gehen ;-). So sehr hat jeder Balinese seine Ausrichtung und die der Insel und Götter verinnerlicht. Es wird sehr offen gewohnt. Ein Haus besteht aus mehreren kleineren „Häuschen“ bzw. Pagoden, welche für eine bestimmte Tätigkeit vorgesehen sind. Die Küche, das Wohnzimmer und das Esszimmer sind immer offen und die Familie kommt hier täglich zusammen. Es wird nicht immer zusammen gekocht, aber gegessen wird immer gemeinsam. Zumindest das Abendessen. Tagsüber sind viele Balinesen unterwegs oder gehen ihrer Arbeit nach und greifen häufig auf die fahrenden Streetfoodküchen zurück, die ursprünglichen Warungs. Die Inhaber der fahrenden Küchen haben vieles schon vorportioniert am Wagen und breiten mit wenigen Handgriffen die Mahlzeit zu. Der wichtigste Teil des Tages ist wohl der Abendteil nach dem Abendessen, zu welchem A-L-L-E Familienmitglieder zusammenkommen. In gemeinsamer Runde tragen sie ihre Sorgen vor und bekommen Ratschläge, Hilfestellungen oder liebevolle Umarmungen. Wayan sagt mit einem zufriedenen Lächeln, so sei sichergestellt, daß die Menschen längstens für einen Tag Probleme, Kummer oder Sorgen haben. Eine sehr sympathische und lebensbejahende Einstellung, sodann täglich auch die im Westen eher unterschätzte Qualität des Zuhören gepflegt wird. Eine ordentliche Portion Zufriedenheit schafft man sich auch durch die sehr entschleunigte Arbeitsweise. Die Zeiteinheit für europäische Erwartungshaltung lautet: alles mal 3 bis 4 Stunden. Oder am nächsten Tag. Oder wenn die Zeit wirklich reif dafür ist.
Der Kochkurs selber war aber gut vorbereitet und sogar mir für meine Verhältnis fast zu schnell getaktet. Vielleicht lag es auch daran, daß die Arbeiten von vielen gleichzeitig erledigt wurden und uns deutlich mehr Zeit für Plaudereien blieb. Das kam mir wiederum sehr zugegen und ich konnte viele Freundschaften schließen oder mich von Puspa und ihrem Ehemann intensiver mit der Landesküche auseinandersetzen. Puspa kochte sich während des Nachmittages mit uns durch die Klassiker der balinesischen Küche wie z.B. …. Kuah Wong Sup Jamur (eine klare Pilzbrühe mit Gemüseeinlage) Base Gede Bumbu Kuning (die gelbe Sauce) Jukut Ürab (Schlangenbohnen-Salat mit Kokosfleisch: ein Traum)   Be Siap Mesanten Kare Ayam (Hänchen in Kokoscurry, für mich war es die vegetarische Variante mit köstlichem Tofu und Tempeh) oder auch den Klassiker Kacang Me Santok Gado Gado (Gemüse in Erdnuss-Sauce) und vieles mehr. Ich selber habe den vegetarischen Kochkurs gebucht, sodass ich die Seafood- und Hähnchenspieße nicht selber herstellte, dafür aber die vegetarische, sogar vegane Variante. Die Satay-Spieße sind DAS Gericht, welches für Bali so typisch ist und nahezu auf jedem Teller serviert wird. Die vegetarische Version ist jedoch keine für Touristen erdachte oder Fleischersatzvariante, sonder fester Bestandteil der balinesischen Kochkultur. Vor allem wegen dem Tofu und Tempeh, die nicht ansatzweise mit der Qualität in Europa zu vergleichen sind: er ist von einer anderen Welt. Das Gericht ist einfach und wird von allen gegessen, da die Marinade fast 1:1 der sogenannten gelben Basis-Sauce entspricht, die für ziemlich 99% aller Gerichte auf Bali als Grundbasis verwendet wird und so immer in ausreichender Menge in jedem Haushalt vorhanden ist. Die Saucenherstellung ist immer ein Familienereignis, weil es viele Zutaten in kleine Stücke zu schneiden und teilweise in riesigen Mörsern zu verarbeiten gibt. Aufgrund der Größe der Durchschnittsfamilie auf Bali sind immer genügend fleißige Hände zur Stelle, die die Zutaten in größerer Menge vorbereiten können. Wie bereits erwähnt wird Ausnahmslos JEDEN Tag abends gemeinsam gekocht, gegessen und im Anschluss die Probleme jedes Familienmitglieds diskutiert. So ist es auch im Kochkurs geschehen. Schnell gekocht, sodass wir mehr Zeit gemeinsam am Tisch hatten und uns austauschen konnten.  Puspa und ihr liebevoller Ehemann haben und schnell vergessen lassen, daß wir hier in einem Kochkurs sind und wir fühlten uns wie zuhause. Die Küche war angenehm leicht und weniger fettig wie ich erwartet habe. Das lag auch daran, daß nahezu ausschließlich mit Kokosöl/fett gekocht wurde, welches zwar einen hohen Sättigungsfaktor hat, aber nicht so fettig daher kommt wie die Pflanzenöle. Der feine Geschmack, verstärkt die weiteren Zutaten und hält sich angenehm zurück und ist darüber hinaus besser für höhere Temperaturen zum scharfen Anbraten geeignet. Puspa ist sehr überzeugt von den balinesischen Naturprodukt, besonders wenn es von Cocoman (siehe Bild) persönlich geliefert wird, sodass sie mein mitgebrachtes Kokosöl mit argwöhnischem Auge freundlich quittierte und beiseite stellte :-). Das Minz- und Ingweröl entlockte jedoch nicht nur den Gästen ein wohlwollendes breites Grinsen. (Ja, eine Steigerung von Puspas steter Freude war möglich 🙂 ) Nach Puspas Kochkurs, war ich ein weiter vorbereitet auf die kommende Streetfoodküche und wagte mich an Dinge heran, die auf den ersten Blick für mich absolut nicht zu irgendetwas essbaren zuzuordnen waren: frittierte Schwammpilze, rosafarbene Reiswürmer in vergorenen Säften, eingelegte Eier, 24-Stunden gegarter Reis und vegetarische Brühen jenseits meiner Geschmacksvorstellung. Ja, auch ich wurde nicht verschont und durfte einen Tag, den Bali-Belly auskurieren, aber das lag nicht etwa an dem schlechten Essen oder hygienischen Umständen (obgleich dies unsere Komfortzone mächtig ins Wanken bringen konnte), sondern an dem vielen guten Gerichten, welche mir durchweg mit einer Leichtigkeit im Herzen und Unbeschwertheit auf der Zunge von den Menschen zubereitet und serviert wurden.

MEIN REZEPT FÜR DICH ZUM ENTDECKEN

Ich kann es kaum erwarten all meine Eindrücke und Erfahrungen von dieser Reise in eine geschmackliche Neukreation gemeinsam mit der Ölmühle Solling für euch einfließen zu lassen. Einen wahren Klassiker der indonesischen Küche möchte ich euch aber vorweg schon mal präsentieren. Normalerweise wird dieser komplett aus Reis und Reisstärke gemacht, ich wollte dem Gericht aber eine anderer schmackige Note verleihen und für unsere Kochgewohnheiten interpretieren. Ich habe mir für euch einen Süßkartoffel-Knödel mit süßer Nussfüllung ausgedacht. Und hier habe ich einige der leckeren Würzöle von der Ölmühle eingesetzt. Je nach Süßungsgrad, kann diese Speise ein robustes Dessert werden oder auch eine sättigende Zwischenmahlzeit.

REZEPT

Zutaten

Teig
ca. 250 g Orangenfarbene Süßkartoffeln (wegen der schönen Farbe. Die weißen Reisknödel sehen immer so unappetitlich aus.
ca. 250 g Klebereismehl, gesiebt
ca. 50 g Reismehl, gesiebt
ca. 180 ml heißes Wasser
1 EL Margarine
Kokosöl zum Bestreichen (z.B. MANDEL-VANILLE WÜRZÖL)
schwarzer Sesam zum Dekorieren
Füllung
1 EL Kokosöl (z.B. das KOKOSÖL EG-BIO NATIV oder KOKOSWÜRZÖL SÜSSE KÜCHE)
ca. 150 g gerieben, frische Kokosnuss
2 EL Kokosnuss-Milch
120g Rohrrohrzucker
110 g geröstete, gemahlene Erdnüsse
1 EL weißer Sesam, geröstet
etwas Salz

Zubereitung

Die Füllung zubereiten. Dafür das Kokos-Öl in der Pfanne erhitzen. Geriebene Kokosnuss, Kokosnuss-Milch und den Rohrrohrzucker hinzufügen. Einköcheln lassen bis es leicht eindickt und glasig ist. Jetzt mit liebvollem Hüftschwung die gemahlenen Erdnüsse, Sesamsamen und Salz untermengen und abkühlen lassen.

In der Zwischenzeit die Süßkartoffeln weich dünsten und mit den Händen„stampfen“. Dabei langsam beide Mehlsorten einarbeiten bis die Masse Brotkrümeln gleicht. Jetzt heißes Wasser, Kokosöl und Margarine hinzufügen. Mit einem Holzlöffel verrühren bis alles vermengt ist und dann zu einem geschmeidigen Teig kneten. Den Teig in ca. 30g schwere kleine Kugeln aufteilen.

Nun füllen wir die Kugeln Dazu nimmst Du eine Kugel in die Hand und formst eine Kuhle. Darein nun etwas von der Füllung geben, wieder verschließen und zu einer Kugel formen.

Die Knödel nun sanft ca. 8-10 Minuten dämpfen. Auf einem Teller anrichten und mit dem Mandel-Vanille-Würzöl bestreichen. Zuletzt mit schwarzem Sesam bestreuen und warm oder bei Zimmertemperatur servieren. Beherzt mit zwei Bissen verschlingen.

Tobt euch aus bei der Füllung und dem Teig aus: probiert es mit gemahlenen Mandeln und Kakaobits, oder mit gedörrten Pfirischen und Goji-beeren. Es ist euer Knödel, euer Liebe zum guten Geschmack.
Lasst es euch schmecken und wir hören bald aus der Versuchsküche 🙂

 

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Offenlegung:

Für die Ölmühle Solling war ich während meines Aufenthaltes auf Bali im Rahmen dieses Berichtes als Foodscout aktiv und unterwegs. Ich habe die Insel und deren kulinarisches Erbe unter die Lupe genommen, um gemeinsam mit der Ölmühle Solling ein neues Produkt in diesem Jahr auf den Markt zu bringen. Die Einflüsse und Eindrücke aus dieser Reise werden wir in die Produktentwicklung eines neuen Fette/Öles einfließen lassen.

Martin
Martin
Yogalehrer, Weinbauer, Koch, Liebender, Mensch, Chief of happiness bei karmakitchen. Ich habe mein Leben auf den Kopf gestellt und möchte euch daran teilhaben lassen. Als Inspiration oder Abschreckung, das liegt ganz bei dir. Love & Peace Martin
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